Die Ausbreitung von Covid in Österreich ist eine Warnung an die Welt

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Die Ausbreitung von Covid in Österreich ist eine Warnung an die Welt

Am Universitätsklinikum Salzburg hat Intensivmediziner Andreas Kokofer den Ansturm der Covid-19-Infektionen mit düsterer Zwangsläufigkeit beobachtet. Da die Fälle am 19. November ein Rekord-Tageshoch von 15.809 erreichten, bereiten sich Kokover und Kollegen auf einen Zustrom von Patienten vor.

Das Bundesland Salzburg ist mit 1.731 Fällen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen ein besonderer Hotspot für den aktuellen Ausbruch, verglichen mit 1.110 in ganz Österreich. Angesichts der voraussichtlichen Verschlechterung der Situation in den kommenden Wochen erwägen Krankenhausverwaltungen in der gesamten Region die Möglichkeit, schwierige Entscheidungen darüber zu treffen, welche Covid-19-Patienten für die Intensivpflege in Frage kommen und welche nicht.

Wie ist Österreich in eine so gefährliche Situation geraten, während so viele Länder Ausstiegsstrategien für die Pandemie planen? Die Gründe dafür sind vielfältig, von einer geringen Immunität bis hin zu einem sozialen und kulturellen Sturm, angetrieben von langjährigen politischen Spaltungen, die viele Österreicher dazu veranlasst haben, Covid-19-Impfstoffe abzulehnen.

Entscheidend ist, dass das, was Österreich erlebt, bald Dutzende anderer Länder treffen könnte – alles aufgrund einer unsicheren Zahlenbilanz. Als die Krise außer Kontrolle zu geraten drohte, sah sich der österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, die noch wenige Wochen zuvor ausser Frage schien. Ab Montag ging das Land in eine einmonatige nationale Sperrung, wodurch die Beschränkungen wiederhergestellt wurden, von denen viele gehofft hatten, dass sie endgültig aufgehoben werden könnten. Österreicherinnen und Österreicher wurden wie schon im Jahr 2020 gebeten, zu Hause zu bleiben und das Haus nur noch zu wesentlichen Zwecken zu verlassen. Die Schulen bleiben geöffnet, obwohl die Eltern gebeten werden, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu lassen.

Die Entscheidung stieß in einigen Teilen des Landes auf Wut. Am vergangenen Wochenende gingen in Wien 40.000 Menschen auf die Straße, einige trugen provokative Transparente, die Schallenberg mit Naziführern verglichen.

Aber während Ärzte sagen, dass die aktuelle Krise nicht mit den frühen Tagen der Pandemie verglichen werden kann, sind sie dennoch zutiefst besorgt darüber, wie das Gesundheitssystem in den kommenden Wochen zurechtkommen wird. “Die Lage ist angespannt”, sagt Kokoover. Wir müssen die geplanten Krebs- und Herzoperationen absagen. Die Sperrung gibt uns etwas Hoffnung, dass die Zahlen ein Niveau erreichen, auf dem sie sich stabilisieren.“

Während viele Menschen in Österreich unerwartet von diesen neuen Beschränkungen betroffen waren, braut sich die Krise nach Expertenmeinung schon seit einiger Zeit zusammen. Laut Eva Shernhammer, Epidemiologin an der Medizinischen Universität Wien, erleichterten der Wintereinbruch und die Bewegung von Menschen in Innenräumen die Ausbreitung von Covid-19. Auch die Immunität der zu Beginn des Jahres Geimpften nahm ab, was sie anfälliger für die Delta-Variante machte.

Shernhammer vermutet, dass es sich hierbei um ein spezifisches Problem Österreichs handelt, das eine der niedrigsten Impfraten Westeuropas aufweist: 65,7 Prozent der Bevölkerung sind inhaftiert, weniger als in Großbritannien (68,7 Prozent), Frankreich, Italien und Deutschland . Im Vergleich dazu hat Portugal mit 86,9 Prozent der Bevölkerung eine der höchsten Impfraten in Europa. Am 22. November lag die tägliche Zahl der Covid-19-Fälle pro Million Einwohner in Portugal bei 145 im Vergleich zu 1.527 in Österreich.

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